Austellungen (Arbeitsmaterial)
sowi-online dankt dem Landesinstitut für Schule, Soest, und der Redaktion von learn:line für die freundliche Genehmigung zur Aufnahme dieser Seite in das Angebot von sowi-online.
Eine Schülerausstellung über den Todesmarsch von Hessental nach Dachau
"Welche großartigen Leistungen Schüler-AGs bei der selbständigen Erforschung der Nazi-Geschichte in ihrem Heimat-Bezirk vollbringen können, habe ich schon öfters erlebt. Aber das, was die Schülerinnen und Schüler der Realschule Leinzell auf Initiative ihres Geschichtslehrers und Mitarbeit anderer Fachlehrer vollbracht haben, ist sicherlich ein Höhepunkt meiner Erlebnisse auf diesem Gebiet.
Unter dem Motto Die Vergangenheit mahnt! ging diese Gruppe fast ein Jahr lang auf Spurensuche zur Geschichte des Todesmarsches von Hessental, einem KZ-Außenlager bei Schwäbisch Hall. Von dort aus wurden vor Kriegsende die von Arbeit, Hunger und Krankheit geschwächten Häftlinge zu Fuß in Richtung Dachau getrieben. Die Schülergruppe hat in den Dörfern, durch die diese Elendsgestalten zogen, hunderte Stunden lang Todeslisten gesichtet und Zeitzeugen interviewt. Die Bewohner, die bereit waren, darüber zu sprechen, sind heute noch erschüttert über das, was sie damals erlebten. Wie die Häftlinge getrieben, geschlagen und erschlagen wurden. (...)
All das, was die Schülerinnen und Schüler zusammentrugen, haben sie mit ihren Fachlehrern in einer Ausstellung gestaltet. Den Vorraum ihrer Schule verwandelten sie durch Stacheldrahtzaun, durch dahinter stehende schwarze Wände mit den Dokumenten und durch das nachgeahmte KZ-Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei", das sie vor ihre Haupttreppe stellten, sowie durch lebensgroße Schattenrisse der Häftlingsgestalten an der vollverglasten Eingangsfront zu einem einprägsamen und Nachdenken erzeugenden Lernort über die dunkle Zeit der Naziherrschaft.
Daß sich dieser Aussagekraft keiner entziehen kann, der durch diese nachempfundene Nazihölle hindurchging und sich darin umsah, das erwies sich bei den Veranstaltungen der Leinzeller Realschule zur Vorstellung dieser Spurensuche. (...) Die Gäste wurden beim geschlossenen KZ-Tor durch den Schülerchor, der sich dahinter postiert hatte, mit Lieder aus dem KZ empfangen.
Nach den Begrüßungsreden im Musiksaal durfte ich als Zeitzeuge zu den rund 60 versammelten Gästen sprechen. Ich führte aus, wie tief mich diese inhaltlich und optisch so treffliche Darstellung der Atmosphäre des Verfogtseins berühre und mein Dank an alle Beteiligten, vor allem den Jugendlichen, nicht groß genug sein könne."
Hans Pasparitsch: "Diese Aussstellung verdient einen Preis". In: VVN Baden-Württemberg (Hrsg.): Antifa-Nachrichten, Juli 1993, S. 24.
Eine Ausstellung besuchen
Es ist sinnvoll, Ausstellungen nicht unvorbereitet zu besuchen, sondern sie im Rahmen einer pädagogischen Betreuung zu erleben.
Durch den Besuch einer Ausstellung wird eine besondere soziale Situation geschaffen. Diese ist gekennzeichnet durch die Konfrontation der Besucherinnen und Besucher mit den Ausstellungstafeln und -objekten, aber auch mit den Reaktionen der anderen Besucherinnen und Besucher. Die Auseinandersetzung mit den Inhalten der Ausstellung findet auf diesen beiden Ebenen statt: den dargestellten Themen und den Meinungsäußerungen anderer Personen.
Inhalte, Aussagen und Absichten der Ausstellung sollen nicht "konsumiert", sondern "bearbeitet" werden. Dies geschieht am besten, indem mit Fragen, Thesen, Kritikpunkten usw. an die Ausstellung herangegangen wird. Hierzu können vielfältige Methoden eingesetzt werden: z. B. eignen sich Suchspiele oder ein Quiz ebenso, wie auch das Angebot verschiedene Aussagen der Ausstellung selbst als Plakat oder Objekt zu gestalten.
Tips für den Besuch einer Ausstellung
- Eine Ausstellung muß "durchmessen" werden. Sie erschließt sich nicht allein. Deshalb keine Scheu und Schwellenangst.
- Ein Ausstellungsbesuch ist Muse. Man kann an einzelnen Stellen länger verweilen, andere auslassen, wieder andere mehrmals betrachten. Eine Ausstellung kann zu einer selbständigen Entdeckungsreise werden.
- Versuchen Sie ihre Zeit so einzuteilen, daß Sie sich zunächst einen kurzen Überblick über die ganze Ausstellung verschaffen und dann noch genügend Zeit haben an einigen Stellen länger zu verweilen.
- Die Gestalter der Ausstellung versuchen durch die Auswahl und die Anordnung der Gegenstände die Wahrnehmung des Betrachters zu beeinflussen und in bestimmte Richtungen zu lenken. Deshalb lassen Sie sich nicht nur von der Ausstellung mitreißen, sondern versuchen Sie immer wieder Distanz zu gewinnen.
- Versuchen Sie die einzelnen Ausstellungsobjekte auf sich wirken zu lassen. Danach versuchen Sie eine Strukturierung: z. B. wieviele und welche Elemente befinden sich auf der Tafel, wie erscheinen die darauf abgebildeten Personen, Gegenstände, aus welchem Blickwinkel betrachtet ich sie, welche Rolle spielt die Farbe usw.?
- Versuchen Sie die Frage zu beantworten: welchen Eindruck macht das Bild / das Objekt auf mich? Wie und wodurch kommt dieser Eindruck zustande?
- Versuchen Sie ein "vergleichendes Sehen" anzuwenden. Wie verhält sich das Dargestellte zur Realität?
- Einige Bilder und Objekte genau und ausführlich zu betrachten ist besser als die gesamte Ausstellung nur oberflächlich.
Vgl. Ute Gschwandtner / Berthold Meyer: Erfahrungen mit einer Ausstellung. Waldkirch 1977.
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Schaufenster als Ausstellungsorte Ein Plakat soll Neugier beim Betrachter wecken, ihn motivieren, genaues Hinschauen bewirken und lebt davon, daß die Menschen, die sich eigentlich aus einem anderen Grund an diesem Ort befinden die Informationen des Plakats mehr "nebenbei" in sich aufnehmen. Genau diese Eigenschaften des Plakats sollten genutzt werden, indem Plakate gegen Fremdenfeindlichkeit in den Schaufenstern von Ladengeschäften einer Kleinstadt präsentiert wurden. Alle Läden in der Innenstadt wurden einzeln angesprochen und um Beteiligung geben. Die an einer Zusammenarbeit interessierten Geschäftsleute sollten die Möglichkeit erhalten, die Plakate für ihre Schaufenster auszusuchen sowie die Form der Präsentation selbst in die Hand zu nehmen. Dies wurde sehr viel offener und auch engagierter aufgenommen als dies von seiten der politischen Vertreterinnen und Vertreter und der Stadtverwaltung erwartet wurde. Das Ergebnis war überzeugend: Es beteiligten sich nahezu alle Geschäfte im Zentrum der Stadt. In seiner Gesamtheit ist dabei ein gemeinsames Ausstellungsprojekt einer Stadt entstanden, ein Projekt gegen Schweigen und Ohnmacht, gegen Desinteresse und Oberflächlichkeit. Die Aktion, bei der die Ulmer Volkshochschule die organisatorische Moderation übernahm, steht für den Mut zur Stellungnahme, für die Auseinandersetzung mit der eigenen Gegenwart und Geschichte und ist als ein Symbol für gegenseitige Akzeptanz und den Willen für ein friedliches Miteinanderleben zu werten. Vgl. Reinhild Mergenthaler / Inge Schmatz: Plakate gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. In: ZEB, Zeitschrift für Entwicklungspädagogik, Heft 3/1996, S. 28 f. |
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Was eine Ausstellungsführung leisten sollte
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Ein Museum besuchen Mit 18,7 Millionen Gruppen-und Einzelbesuchen hatten die Volkskunde- und Heimatkundemuseen den größten Zustrom im Jahr 1996. Bei der durchschnittlichen Besucherzahl liegen sie allerdings mit 9.553 Besuchern je Museum auf dem letzten Platz. Spitzenreiter sind die Schloß- und Burgmuseen: 61.159 Besuche entfielen rein rechnerisch auf jedes dieser Museen. Quelle: Institut für Museumskunde, Globus Rc-4615, 26. 1. 1998. |
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Vgl. Ilse Valentin / Imme Waßmund: Die Fragebogenerhebung. In: Bernd Nolz / Edgar Weiss (Hrsg.): Bedrohung - Bilder - Bildung. Atomfotografie und Friedenspädagogik. Hamburg 1991, S. 69 ff.
Keywords: Unterrichtsmethoden, Unterrichtsmethode, Methoden, Lehr-Lern-Methoden
Übersicht: Literaturhinweise + online - Dokumente
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Verantwortlich für diese Seite: Reinhold Hedtke
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Bearbeitung: Carsten Koch
Veröffentlichungsdatum: 20.07.2005
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