Gedenkstättenarbeit
(Arbeitsmaterial)

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Checkliste: Gedenkstättenbesuch

Wie kann der Besuch vorbereitet werden?

Wie soll der Besuch ablaufen?

Wie kann der Besuch ausgewertet werden?


Vergangenheit kann man nicht hinter sich lassen

Wie lernt man aus der Geschichte? Wie lernt eine Nation aus der Geschichte? Was immer ansonsten notwendig sein mag - es muß eine zuverlässig dokumentierte und zutreffend interpretierte Geschichte geben. Vor allem bezogen auf die Nationalgeschichte setzt das voraus, daß Geschichtsschreibung bestimmten Versuchungen widersteht, besser noch: ihnen entgegenwirkt. (...)
Da Nationalgeschichte hauptsächlich von Angehörigen der betreffenden Nation entworfen wird, hat sie zumeist etwas autobiographisches. Bei einer Autobiograpie sind Autor und Gegenstand identisch. Auch bei einer Nationalgeschichte teilen Autoren und Gegenstand eine Identität. Autobiographen rücken ihren Gegenstand meist in ein übertrieben vorteilhaftes Licht. Auch Nationalgeschichten beschönigen und verherrlichen normalerweise ihre Inhalte, die Vergangenheit einer Nation. Autobiographien neigen zu narzistischer Selbstüberhöhung, das heißt Legendenbildung. Ebenso neigen Nationalgeschichten zu kollektiver, narzistischer Verzückung, zur nationalistischen Geschichtsschreibung.

Ein genaues Verständnis erfordert in beiden Fällen eines: die jeweiligen Gegenstände in das Licht einer kritischen Außenwahrnehmung zu rücken. Bei den Persönlichkeitsporträts fällt das in die Zuständigkeit des Biographen. Im Falle der Nationalgeschichte besorgt es das Ausland. (...)

Die Vergangenheit hinter sich zu lassen, ist ausschließlich in einem Sinne möglich: sie auf Abstand zu halten, um sicher zu gehen, daß sie nicht zu einer nach dem Bild dieser Vergangenheit geschaffenen Zukunft wird. Das aber kann nur heißen, die Vergangenheit in den Köpfen lebendig zu erhalten. Wer in der Dunkelheit wandert, weiß nicht, wohin er gerät.

Daniel Jonah Goldhagen: Modell Bundesrepublik. Nationalgeschichte, Demokratie und Internationalisierung in Deutschland. In: Blätter für Deutsche und Internationale Politik, 4/97, S. 424 ff., Auszüge.

Gedenkkultur in der Sackgasse

Oberflächlich betrachtet gibt es eine regelrechte Gedenkflut. Aber bei näherem Zusehen erweist es sich, daß sie deutscherseits von nationalen Deutungsmustern beherrscht wird. Erinnern kann auch verzerren und vergessen heißen. Seine fast zwanghafte Reproduktion zeigt eher ein Problem an als schon dessen Lösung. (...)

Das Gedenken an den Holocaust ist zur arbeitsteiligen Verrichtung in einer Gesellschaft geworden, die von ihm nichts wissen will. Es sind immer die gleichen Leute, die sich für sie versammeln und Erinnerung zelebrieren. Der postfaschistische Staat hat die Abgrenzung vom nazistischen Massenmord zum Bestandteil seiner Identität erklärt. Das Gedenken erfolgt in öffentlichen Ritualen, die das Geschehen eher bannen und beschwichtigen als evozieren. Das Nachleben der kollektiven Tat spaltet sich in surrogative Zeremonien und private Reminiszenzen. Die schier inflationär verwendeten Zeitzeugen sind mit der Schließung dieser Lücke überfordert, doppelt einsam im Erleben und Wiedergeben ihres Leids.

Gerhard Armanski: Gedenkkultur in der Sackgasse. In: Mitteilungen Nr. 3 der Initiative zur Gründung eines "Zentralmuseums gegen Verbrechen wider die Menschlichkeit. Arbeits-, Gedenk- und Forschungsstätte für Frieden und Humanität. Hannover 1996, S. 6 f.

 



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