Lieder und Musik (Arbeitsmaterial)

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 "Du kannst einen Sänger in Ketten legen, aber niemals sein Lied"
Udo Jürgens

Was man mit Liedern alles machen könnteHitparadeJede bzw. jeder bringt seine Lieblings-CD (Kassette) mit und erzählt den andern, warum sie oder ihn gerade dieser Titel anspricht.
Unter dem Motto "was ich nicht ausstehen kann" können auch die Titel, die auf keinen Fall angehört werden sollen, besprochen werden.IllustrationEinzelne Titel können als Hörbeispiele zur Illustration zeitgeschichtlicher oder aktueller Themen benutzt werden. Sie werden dann von der Leitung ausgesucht und eingespielt.AnalyseZur Analyse von Liedern und Musiktiteln ist es wichtig, neben dem Hörbeispiel auch den vollständigen Text und weitere Informationen über die Entstehung und den Hintergrund zur Verfügung zu haben.Unterhaltungsindustrie analysierenKommerzielle Musik und Lieder sind häufig mit Musikzeitungen, Konzerten, T-Shirts etc. gekoppelt. Die Interessen der dahinterstehenden Unterhaltungsindustrie können anhand solcher Gegenstände deutlich gemacht werden.SingenBestimmte Lieder zu singen, kann ein starkes emotionales Erlebnis sein und ein tieferes Verstehen bestimmter Stimmungen und Wirkungen ermöglichen. Um Lieder singen zu können, ist jedoch eine gewisse Atmosphäre notwendig. In einem sterilen Tagungsraum, an Tischen sitzend, kann das Singen von Liedern allenfalls eine peinliche Erfahrung werden.Bestimmte politische Lieder, z. B. die Lieder der "Rechten", sollten nicht gesungen, sondern allenfalls analysiert werden.Dichten und KomponierenEin eigenes Lied auf eine bekannte Melodie zu dichten, ist eine kreative Auseinandersetzung mit einem Thema oder einer Situation, die sehr viel Spaß machen kann. In einer Gruppe ein Thema so zu bearbeiten, daß am Schluß das Gruppenergebnis in Liedform vorgetragen wird, stellt eine sinnvolle Abwechslung zu traditionellen Gruppenberichten dar.Besonders spannend wird es, wenn Lieder aus der Sichtweise von Problemgruppen oder besonders Betroffenen geschrieben werden (z. B. der "Rollstuhl-Blues" oder der "Asylanten-Tango").MoritatenEin weiterer Schritt über das Anfertigen eines Textes hinaus ist, diesen mit Bildern zu unterlegen. Eine solche Lied-Bild-Kombination ist sehr anschaulich und kann nicht nur für den Abschlußabend eines Seminars verwandt werden.Liedermacher einladenEine andere Qualität der Auseinandersetzung mit politischen Liedern ist es, wenn eine Liedermacherin oder ein Liedermacher eingeladen wird und aus seiner Werkstatt erzählt und natürlich auch Kostproben gibt.Vgl. Manfred Sievritts: "Politisch Lied, ein garstig Lied?", Wiesbaden 1984.

Was politische Lieder sein können

  • Lieder im Dienst von Staaten und Institutionen
  • Lieder als Waffe im Kampf von Interessen
  • Verbotene Lieder
  • Lieder als Erziehungs- und
  • Propagandamittel
  • Solidaritätslieder
  • Lieder als (Über-)Lebenshilfe
  • Kritik an Obrigkeit und Staatsmacht
  • Lieder von Gruppen und Parteien
  • Arbeiterlieder
  • Frauen- und Emanzipationslieder
  • Religiöse Lieder
  • Lieder von Minderheiten
  • Heimatlieder
  • Vaterlandslieder
  • Nationalhymnen
  • Kriegslieder
  • Friedenslieder
  • Kinderlieder

HIP-HOP-Events

Zunächst mußten wir Mitarbeiter uns über die neue Musikrichtung informieren. Was, bitteschön, sollte denn wohl ein "Battle" oder ein "Jam" sein? Wir wurden überschüttet mit Begriffen, die uns vielleicht noch in der direkten Übersetzung etwas sagten, aber im Zusammenhang mit dieser Musik?Wir haben vor einiger Zeit ein sogenanntes "Freestyle-Battle" organisiert. Bei so einer Meisterschaft versammeln sich viele Rapper, um zu Melodien und Rhythmen der DJs auf Stichworte des Publikums wie z. B. "Kartoffelsalat" oder "Gipsbein" spontan Liedtexte zu improvisieren.Die Veranstaltung war ein voller Erfolg, die witzigen und manchmal auch hitzigen verbalen Auseinandersetzungen zu Hip-Hop-Rhythmen brachten die fachkompetente Jury ganz schön ins Schwitzen. Beim Freestyle können die Sänger nicht lange überlegen. Sie müssen schnell sprechen können. In dieser Form des Hip-Hops zeigt sich eine enorme Kreativität und Energie, die uns Mitarbeiter auch total begeistert. Sprachwitz, Formulierungskünste, Ideenreichtum und Schlagfertigkeit der Kids sind einfach beeindruckend.Gerade weil mit Hip-Hop Geist, Körper und Seele angesprochen werden, erscheint es uns für die Umsetzung in der Jugendarbeit geradezu prädestiniert. Die anfänglichen Bedenken sowohl in den eigenen Reihen als auch bei unseren Besuchern haben sich verflüchtigt. Unsere Veranstaltungen sind mittlerweile zu gutbesuchten Happenings geworden.Medien Concret 1/97: Jugendkulturen in den 90er Jahren. Köln 1997, S. 40, Auszug.

"Im Hip-Hop thematisieren Jugendliche ihre Gefühle und (politischen) Einstellungen. Mit ihren Songs wollen sie gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben. Ihre Themen werden auf kreative und innovative Art bearbeitet. Haß und Wut werden im Hip-Hop artikuliert und Alltagserfahrungen geschildert."
Medien Concret 1/97: Jugendkulturen in den 90er Jahren. Köln 1997, S. 41.


Lieder der Arbeitswelt"Im Vordergrund des Seminars sollte die eigene Liedproduktion der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stehen. Mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde in Abklärung ihrer Interessen die Schwerpunkte Jugend, Frauen, ältere Menschen und Umweltschutz erarbeitet.In der ersten Seminarphase spielten Liederbücher eine wichtige Rolle. Das gemeinsame Singen politischer Lieder hatte einmal motivierenden Charakter (Freude am Gesang), zum anderen didaktische Aspekte. Letztere bestanden darin, bekannte Liedtexte, die dem Repertoire des Liedermachers entstammten, mit bekannten Melodien in Verbindung zu bringen.In der zweiten Seminarphase wurden zu den Schwerpunkten jeweils Arbeitsgruppen gegründet, Texte für die ausgewählten Schwerpunkte gemacht, die in den Gruppen geäußerten Ideen gesammelt, auf Wandzeitungen allen Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern zugänglich gemacht und zu Liedtexten verarbeitet. Die endgültige Auswahl erfolgte in den Arbeitsgruppen und im Plenum, ebenso die Vertonung der Texte. Das Ergebnis, die erste Fassung des Liedes, wurde abends im Plenum vorgetragen und am zweiten Seminartag von den Gruppen nochmals inhaltlich und technisch verfeinert. Den Abschluß des Seminars bildete eine Gesamtauswertung unter Berücksichtigung folgender Punkte:

Während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Beginn des Seminars recht wenig Zutrauen zur eigenen Phantasie hatten, war ihnen am Ende deutlich, daß sowohl diese Problematik als auch die technische Seite zu bewältigen waren. Damit konnten sie die Palette der Ausdrucksmöglichkeiten zur Artikulation ihrer Interessen erweitern. Es dürfte auch einleuchten, daß die politische Diskussion durch den Versuch, Probleme in einem Liedtext einzufangen, ungemein fruchtbar sein kann. Verstärkt wurde dieser positive Effekt noch dadurch, daß die Texte dem Plenum vorgestellt, also begründet und damit gewissermaßen verteidigt werden mußten."Peter Berkesse: Eine Chance den weniger Begünstigten. In: Materialien zur politischen Bildung 6/1982, S. 83.


Erfahrungen mit Oi-Oi-Musik

OI = Abkürzung für "Strength through Joy", "Kraft durch Freude"

Sogenannte Oi-Oi-Bands, die in der Skin-Szene angesiedelt sind, wie z. B. die Gruppe "Störkraft", "Kahlschlag" oder "Wehrwolf", spielen Musik mit gewaltverherrlichenden nationalistischen Texten. Was tun, wenn Jugendliche solche Musik hören?Wie weit darf ein Sozialarbeiter sich auf rechte Fans einlassen, ohne in den Verdacht der Verbrüderung zu geraten? Ein Beispiel für einen Konflikt, der wenig Raum für reine Lehre läßt: Da hat U. R. vor einiger Zeit einen Bildungsurlaub für sechs Ostberliner Skins in Bayern organisiert. Eine Psychologin war zusätzlich zur Betreuung engagiert. Als die Jugendlichen beim gemeinsamen Kochen die Kassette mit Neonazi-hardcore reinschoben, wurde es der Therapeutin zuviel. Vor ihre Alternative "entweder ich oder diese unsägliche Musik" gestellt, erwiderten die Jungs mit unbewegter Miene, "na dann geh doch". Die Konsequenz der Psychologin, den Raum umgehend zu verlassen, hatte vor allem unerwünschte Folgen. "Die bekam die ganze Woche über kein Bein mehr auf den Boden", berichtet die Sozialarbeiterin.
(...)Mit Oi-Oi-Musik und Zeilen wie "Ich bin Bomberpilot, ich bringe euch den Tod" stimmten sich die jugendlichen Attentäter im niederrheinischen Hünxe ein, bevor sie die selbstgebastelten, verheerend wirkenden Brandsätze in das örtliche Asylheim warfen. Auch im brandenburgischen Eberswalde heizten sich die Skins und Heavy Metals im "Rockbahnhof" mit der jeweiligen Lieblingsmusik auf, um anschließend gemeinsam zum "Negeraufklatschen" loszuziehen.Da mag der "Störkraft"-Sänger Jürg Petrich, wie neulich in der SAT-1-Sendung "Einspruch" geschehen, alle Verantwortung nach dem Motto "Was die Leute aus unseren Texten machen, ist allein deren Sache" von sich schieben. Einer, der es aus eigener Erfahrung wissen muß, widerspricht diesem Rückzugsversuch in den Bereich des Harmlosen aufs entschiedenste: Rio Reiser, in dern 70er Jahren linkes Idol und Leadsänger der legendären Gruppe "Ton Steine Scherben", ist überzeugt, daß "jedes Konzert Sachen möglich macht, die sonst nicht möglich sind". Sicher, nach dem Anhören einer "Scherben"-Platte seien die Leute früher "nicht rausgerast, um Polizisten zu verprügeln", aber nach manchem Auftritt der linken Kultgruppe "wurde durchaus schon mal ein Haus besetzt". Rockmusik bedeutet Emotionen, und die Band auf der Bühne besitzt die Macht, diese zu produzieren.Inge Günther: Bei Oi-Oi geht der Haß auf alles Fremde ab. In: Frankfurter Rundschau, 27. 11. 1992, S. 3, Auszüge.



"Er ist ein Skinhead und Faschist
Er hat 'ne Glatze und ist Rassist
Moral und Herz besitzt er nicht
Haß und Gewalt zeichnet sein Gesicht
Söldner, er ist ein Söldner
Er liebt den Krieg und die Gewalt
Und bist du sein Feind, dann macht er dich kalt."
"Söldner", Lied der Gruppe "Störkraft".

 



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