Planspiel
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sowi-online-Methodenlexikon
Ilona Böttger
Inhalt
1. Portrait Planspiel
1.1 Durchführung
2. Herkunft und Entwicklung
3. Typische Anwendungsfelder
4. Literatur
4.1 sowi-online-Literatur
1. Portrait Planspiel
Im Planspiel wird ein Stück sozialer Wirklichkeit durchgespielt, ausgehend von einem Konflikt, der eine typische Situation der Realität darstellt. So ist z.B. die Frage zu klären, ob eine verkehrsberuhigte Zone in der Innenstadt geschaffen werden soll oder nicht. Dieser Konflikt ist im Spiel zu lösen, so dass man von einem Probehandeln mit Ernstcharakter sprechen kann. Die am Konflikt beteiligten Interessengruppen sind vorgegeben. Der Einzelne ordnet sich einer dieser Gruppen zu, wobei die hier eingenommene Position nicht mit der persönlichen Ansicht identisch sein muss. Innerhalb des Spiel agieren die Akteure aus ihren gruppenspezifischen Positionen heraus und versuchen, ihre Interessen optimal zu vertreten.
1.1 Durchführung
- Vermittlung der Ausgangslage: Um die im Planspiel dargestellte Konfliktsituation bearbeitbar zu machen, werden zunächst allgemeine Informationen über die Ausgangslage des Konflikts gegeben. Dann wird der Konflikt geschildert und es werden die zum Konflikt dazugehörigen Gruppen in ihren spezifischen Positionen und Funktionen und in ihren Rollen grob skizziert.
- Rollenarbeit: Hier geht es darum, sich mit der im Konflikt vertretenen Rolle vertraut zu machen. Was ist die Ausgangslage, welche Funktion/Position wird eingenommen, welche Kompetenzen sind vorhanden und was ist die Aufgabe in dem spezifischen Konflikt. Dann geht es um die Identifikation mit der eigenen Rolle, um die Entwicklung eines Standpunktes im Konflikt und schließlich darum, Strategien für das Vorgehen zu entwickeln. Sind Verhandlungs- und Vorgehensstrategien entwickelt, müssen Verbündete gesucht werden, um die anstehende Entscheidung im Vorfeld optimal zu beeinflussen. Hier beginnt die Kontaktaufnahme zu den anderen Konfliktparteien.
- Konferenz: Dieses ist das Herzstück des Planspiels. Hier treffen die gegnerischen Parteien aufeinander, setzen sich über den Konflikt auseinander und fällen die Entscheidung zur Konfliktlösung.
- Auswertungsrunde: Das Spiel wird zunächst im Hinblick auf die unmittelbaren Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse ausgewertet. Dann wird die Übertragbarkeit auf die Realität diskutiert.
Im Planspiel haben die Mitspielenden die Möglichkeit, Verhaltensweisen auszuprobieren und in ihren Konsequenzen durchzuspielen. Der Spielverlauf wird wesentlich durch die Ideen und das Handeln der Teilnehmenden bestimmt. Diese müssen sich einerseits mit der Thematik, andererseits mit den unterschiedlichen bzw. gegensätzlichen Interessen der am Spiel beteiligten Gruppen auseinander setzen. Notwendig sind Fähigkeiten zur Kommunikation, zur Vertretung einer Position (gruppenspezifisch und individuell), zur Entwicklung neuer Ideen und zur Darstellung und Auseinandersetzung. Diese Kompetenzen werden im Planspiel erworben bzw. weiterentwickelt und es werden damit gleichzeitig demokratische Spielregeln eingeübt (Klippert 1998, Fürstenberg 1994).
2. Herkunft und Entwicklung
Die Planspielmethode wurde im Kontext militärischer Strategieplanung entwickelt.
3. Typische Anwendungsfelder
Es gibt unterschiedliche Anwendungsfelder für Planspiele.
Das Unternehmensplanspiel: Im Unternehmensplanspiel werden die tatsächlichen
Unternehmensstrukturen im Spiel abgebildet. Aus diesen heraus agieren die Akteure
und machen sich so mit den Unternehmensstrukturen vertraut (vgl. Vagt 1978).
Planspiele in der Bildungsarbeit: In der Bildungsarbeit werden Planspiele eingesetzt,
um Komplexität erfahrbar zu machen. Dabei können ganz unterschiedliche
Themen im Zentrum des Planspiels stehen. Entwicklungspolitische Themen eignen
sich ebenso wie ökologische Themen.
4. Literatur
Baer, Ulrich (1995): Konflikte spielerisch erfahren und reflektieren. In: Ders.; Dietrich, Knut; Otto, Gunter: Spielzeit. Spielräume in der Schulwirklichkeit. In: Friedrich Jahresheft XIII, Seelze.
Fürstenberg, Gregor von (1994): Planspiele, Mainz.
Klippert, Heinz (1988): Planspiele in der politischen Bildung, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Erfahrungsorientierte Methoden in der politischen Bildung, Bonn.
Klippert, Heiz (1996): Planspiele. Spielvorlagen zum sozialen, politischen und methodischen Lernen in Gruppen, Weinheim / Basel.
Sommer, Jörg (1991): Action! Planspiele in der Jugendbildungsarbeit, Weibersbrunn.
Vagt, Rainer (1978): Planspiel - Konfliktsimulation und soziales Lernen, Rheinstetten.
4.1 sowi-online-Literatur
Bohr, Lutz-Ekkardt/ Niebuhr, Dirk/ Warsitz, Thomas (1995): Ohne Moos nix los (Planspiel). In: Steinmann, Bodo/ Weber, Birgit (Hg.): Handlungsorientierte Methoden in der Ökonomie. Neusäß: Kieser, 157-172.
Carls, Claus U./ Koeder, Kurt W. (1988): Aktives Lernen durch Planspieleinsatz. In: Winklers Flügelstift A-3/1988, S. 5-14.
Knittel, Bernd/ Neukirchen, Gunilla (1999): Der UN-Sicherheitsrat - eine wirksame Institution zur Herstellung des Friedens? Ein Planspiel aus und für die Unterrichtspraxis. In: Politische Bildung 32. Jg. (1999) H. 1, S. 89-107 und 108-124.
Lönne, Frank/ Szkolaja, Carmen/ Wünneker, Jürgen (1993): Ökologisches Handeln im Planspiel: Tourismus - aber wie?! In: arbeiten+lernen/Wirtschaft 3 Jg. (1993) H. 10, S. 23-26.
Rappenglück, Stefan (1999): Planspiele zur Toleranz in der politischen Bildungsarbeit. In: DVPB-Aktuell 3. Jg. (1999) H. 1, 24-25.
Warmdt, Claudia und Lothar (1997): Das Planspiel für den kaufmännischen Unterricht. In: Winklers Flügelstift, 2/1997, 21-26.
Völler, Heribert (1998): Planung und Durchführung von Rollen- und Planspielen im Wirtschaftslehreunterricht. In: Winklers Flügelstift 2/1998, S. 22-28.
Keywords: Planspiel, Unternehmensplanspiel, Methoden, Lehr-Lern-Methoden, Politische Bildung, Ökonomische Bildung, Simulation, Konflikt, Konfliktlösung, Strategieentwicklung, Komplexität, soziales Lernen
Übersicht: Literaturhinweise + online - Dokumente
Übersicht: online - Dokumente
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Veröffentlichungsdatum: 24.10.2001
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