Reden
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Reden können in der Bildungsarbeit vielerlei Funktionen erfüllen. Sie können angehört und auf ihre emotionale Wirkung hin untersucht werden (hierzu benötigt man allerdings Tondokumente), sie können in ihrer schriftlichen Form nach Aufbau und Argumentation analysiert werden, und Reden können selbst verfaßt und vorgetragen werden.
Das Grundproblem der Rede ist das Verhältnis von Inhalt und Form, von äußerem Anlaß der Rede und der Art, wie die Rednerin bzw. der Redner diesen Anlaß den Hörerinnen bzw. den Hörern nahebringt.
Was macht eine Rede gut, bedeutend, weltbewegend? Der Anlaß, das Ereignis, das dahinter steht, oder die Form, in der dieses Anliegen vorgetragen wird? Oder vielleicht beides, also gerade die Verbindung, die beide in einer Rede eingehen müssen, um zu einem guten Ergebnis zu führen?
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Typen von Reden
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Von der Rede zur Meinungsäußerung
Heute werden vielleicht mehr Reden gehalten als je zuvor, und dennoch ist es sicher nicht vermessen zu sagen, daß wenig große Reden gehalten werden. Die Rede diente einst dazu, den Hörer in seiner Meinung zu beeinflussen, ihn zu einer Gesinnungsänderung, zu einer Tat zu veranlassen. Heute ist die politische Entscheidung zum Zeitpunkt der Rede oft schon gefallen oder zumindest kaum noch zu beeinflussen. Die Rede ist zur reinen Meinungsäußerung, Deklaration geworden. Hier überschneidet sie sich mit der Gattung Vortrag, die im Unterschied zur Rede mehr darstellen, berichten will. Aber auch hier drängen die modernen Medien die Bedeutung der Rede mehr und mehr zurück. Nur selten bringt heute eine Rede noch wirklich Neues, das noch nicht zumindest dem Inhalt nach schon vorher bekannt und veröffentlicht ist.
Wirkung
Die Rede verführt keine Unschuldigen, sie täuscht die Aufmerksamen nicht. Sie kann die krasse Kundgebung der Macht sein und der Jubel der Zustimmenden nichts anderes als Ausdruck des wehrlosen Ausgeliefertseins. Gewalt über Andersdenkende, die sich der Freiheit, ihre Ansicht vorzubringen, nicht begeben haben oder ihrer nicht beraubt worden sind, hat die Rede nicht.
Die freie Rede
Die Rede entzieht sich genaugenommen der Fixierung. Nicht jede wird mit Manuskript gehalten. Die schriftliche Wiedergabe, noch dazu weit entfernt von der eigentlichen Originalsituation, kann nur die Worte, nicht aber die Atmosphäre, die Spannungen und das Verhalten der Zuhörer und des Redners wiedergeben. Denn für die Beurteilung, für das Nacherleben der Rede so wichtige Umstände, werden selten so genau überliefert, daß ihre Bedeutung zu sichern wäre.
Aber auch die neueren Reden, selten frei gehalten, oft nur verlesen, während die Zuhörer schon im Besitz des Manuskriptes sind, bieten dem aufmerksamen Leser noch Überraschungen. Nicht jeder Redner war der Situation gewachsen, die ihn zum Sprecher machte, manch einer wich doch von der vorgesehenen Linie ab.
Vgl. Reden, die die Welt bewegten. 10. aktualisierte Auflage, Stuttgart
1989, Einleitung.
Analyse von Reden
in Bundestags- oder Landtagsprotokollen
Über viele politisch strittige Themen finden Bundestags- oder Landtagsdebatten statt. Die Protokolle können bei den zuständigen Presseabteilungen angefordert werden (oder sind z. T. in der Wochenzeitung "Das Parlament" abgedruckt). Die Reden von Abgeordneten verschiedener Fraktionen können vergleichend analysiert werden. (Siehe auch: "Texte analysieren")
Reden umschreiben
Ausgangspunkt hierfür sind Redemanuskripte oder Mitschnitte. "Wie würde ich bzw. unsere Kleingruppe die Rede inhaltlich und formal gestalten?"
Eine gute Vorübung hierzu ist die Verfremdung der als Arbeitsmaterial verwendeten Rede durch Umkehrung ihrer Aussagen ins Gegenteil. Wie hört sie sich nun an?
Anfertigung einer eigenen Rede
Hierzu muß der genaue Anlaß und die Form vorgegeben werden (z. B. Rede des Sozialdezernenten anläßlich der Abschiebung des einmillionsten Asylbewerbers). Es empfielt sich dann, die Rede in Kleingruppen von 4 bis 6 Personen ausarbeiten und anschließend im Plenum vortragen zu lassen.
Mit Reden experimentieren
In Kleingruppen können Abschnitte einer Rede laut vorgelesen werden. Der Inhalt wird mit eigenen Worten laut vorgetragen. Der Inhalt wird auf ein Schlagwort reduziert. Der Tonfall wird nur noch mit Silben (Bla, Bla , Ja, Ja , Nein, Nein ) verbalisiert.
Die Reden werden in verschiedenen Stimmungen vorgetragen (ernst, heiter usw.).
Die Zuhörer zeigen keine Reaktion, zustimmende Reaktion (Kopfnicken), ablehnende Reaktion (Kopfschütteln). Welche Erfahrungen werden dabei gemacht?
Reden illustrieren
Während Reden vorgetragen oder abgespielt werden, sollen die Zuhörerinnen und Zuhörer die Rede auf einem Blatt illustrieren bzw. zu der Rede das malen, was ihnen spontan zu den einzelnen Abschnitten einfällt.
Die Rede kann auch zuerst ganz angehört werden. Anschließend besteht die Aufgabe, den Inhalt der Rede (die wesentliche Botschaft) in einem Bild (Plakat, Werbeanzeige usw.) auszudrücken. Dies kann in Kleingruppen geschehen, die sich dann zunächst einigen müssen, welches die wesentliche Aussage ist.
Reden in Bewegung umsetzen
Eine Rede kann nicht nur angehört und analysiert werden, sie kann auch in Bewegung umgesetzt und durch Bewegung (z. B. Tanzszenen) interpretiert werden. Dies setzt neben entsprechenden Räumlichkeiten auch voraus, daß die Teilnehmerinnen und Teilnehmer (und natürlich die Seminarleitung) bereits etwas Erfahrung mit darstellendem Spiel haben.
Literaturhinweise
Brückner, Christine: Wenn du geredet hättest, Desdemona. Ungehaltene
Reden ungehaltener Frauen. Hamburg 1983.
Die großen Regierungserklärungen der deutschen Bundeskanzler
von Adenauer bis Schmidt. Eingeleitet und kommentiert von Klaus von Beyme.
München/Wien 1979.
Eppler, Erhard: Kavalleriepferde beim Hornsignal. Die Krise der Politik
im Spiegel der Sprache. Frankfurt 1992.
Reden, die die Welt bewegten. 10. aktualisierte Auflage, Stuttgart 1989.
Sternberg, Dolf: Sprache und Politik. Frankfurt/M. 1991.
Wende, Peter / Inge Schlotzhauer (Hrsg.): Politische Reden. Band I 1792-1867.
Band II 1869-1914. Frankfurt/M. 1990.
Keywords: Unterrichtsmethoden, Unterrichtsmethode, Methoden, Lehr-Lern-Methoden
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Bearbeitung: Carsten Koch
Veröffentlichungsdatum: 20.07.2005
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