Video
sowi-online dankt dem Landesinstitut für Schule, Soest, und der Redaktion von learn:line für die freundliche Genehmigung zur Aufnahme dieser Seite in das Angebot von sowi-online.
Inhalt1
Allgemeines
Eigene Videoproduktionen
Situationen festhalten
Filme inszenieren
Formen (Reportage, Collagen, ...)
Videogeräte können vielerlei Funktion erfüllen: sie werden zu Zwecken der Überwachung eingesetzt, sie sind Instrumente der Unterhaltung, sie können aber auch der Informationsvermittlung und der eigenständigen Produktion von Medien dienen.
Obwohl von kritischen Gruppen in den 70er Jahren vor allem als Medium der selbstbestimmten Gegenöffentlichkeit gesehen, ist Video heute weitgehend (auch in der Bildungsarbeit) zu einem Konsumartikel geworden.
Dabei entspricht (der kreative Umgang mit) Video in hohem Maße den Zielsetzungen einer kritischen Bildungsarbeit: er ermöglicht über das Erstellen eines Produktes (Videofilm) ein ganzheitliches Lernen, an dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit allen ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten teilhaben.
Video als Informationsmittel
Was früher in der Bildungsarbeit der 16mm-Film war, ist heute der Videofilm. Videos können sehr anschaulich und aktuell Informationen zu nahezu allen Themen vermitteln.
- Vor allem Fernsehmitschnitte (Magazinsendungen, Fernsehspiele usw.)können als Anschauungs- bzw. aktuelles Informationsmaterial eingesetz werden. Sehr gut eignen sich z. B. "Pro und Kontra"-Sendungen für einen Diskussionseinstieg.
- Viele Initiativen, Gruppen und Verbände haben inzwischen Videofilme über ihre Arbeit oder über ihre Spezialthemen, die bei ihnen angefordert werden können.
- Medienzentralen und regionale Videozentren bieten eine Reihe von z. T. selbstproduzierten Videos an.
Videos sollten, wie alle Medien, in der Bildungsarbeit immer auch unter einem medienkritischen Aspekt betrachtet werden: wie ist die Dramaturgie? Mit welchen Mitteln (Bildschnitt, Musik etc.) werden Stimmungen erzeugt? Welche "Botschaft" soll vermittelt werden?
Der größte Vorteil von Videofilmen besteht neben ihrer Aktualität in der leichten Wiederholbarkeit von Szenen und Sequenzen. Nachteilig wirkt sich u. U. das kleine Bild des Monitors aus, falls kein Beamer zur Verfügung steht.
(Zur Auswertung und zum weiteren Umgang mit solchen Sendungen siehe unter "Film".)
Der wohl interessanteste Teil der Arbeit mit Videos ist das eigene Produzieren kleiner Filme. Dabei geht es nicht so sehr um das Produkt, sondern um den Entstehungsprozeß.
Solche Filme können die Wahrnehmung für die Umwelt schärfen und scheinbar Altbekanntes in neuem Lichte erscheinen lassen:
- der Weg zum Tagungshaus, mein täglicher Weg zur Schule, in die Arbeitsstelle usw.,
- Fußgänger, Radfaher, Autofahrer,
- Nahrungsmittel,
- Hektik und Ruhe,
- Bushaltestelle,
- Bankschalter,
- Häuser,
- Menschen (Kinder, Alte, Paare, Politiker),
- Arbeitsbeginn,
- Dienstschluß,
- verkaufen und kaufen,
- Spielplätze,
- Wohnsituationen.
Bei der Aufnahme eines eigenen Films müssen nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern auch die Rollen des Films gespielt werden. Dies erfordert einen sehr intensiven Arbeitsprozeß und viel Zeit. Allerdings sind die gestalterischen Möglichkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr groß und alle Beteiligten können viel Phantasie und Kreativität entwickeln, zumal die unterschiedlichsten Fähigkeiten gebraucht werden: das Ausdenken einer Handlung, das Schreiben von Szenen, das Bauen von Bühnenbildern, Masken und Requisiten, das Aufnehmen, das Schneiden, die Beleuchtung, der Ton etc.
Videos können sich an verschiedene Genre anlehnen:
- ein Agententhriller zum Thema Waffenexport;
- ein Lustspiel zum Thema Kommunalwahl;
- ein Liebesfilm zum Bereich multikulturelle Gesellschaft.
Bei der Erstellung des Drehbuches sollten die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten berücksichtigt werden.
Wichtig ist es zu klären:
- Was passiert in dem Film?
- Wo findet die Handlung statt?
- Welche Personen sind beteiligt?
- In welcher Reihenfolge sollen die Szenen hintereinander kommen?
- Wie läßt sich Spannung in der Handlung erzeugen?
- Wer übernimmt welche Rolle?
- Sollen die Dialoge ausformuliert oder nur als Stichworte vorbereitet werden?
- Welches Zubehör wird benötigt? Läßt sich alles beschaffen?
- Sind Verkleidungs- und Schminkutensilien vorhanden?
- Welche Hilfsmittel benötigen die Geräuschemacher?
Die einzelnen Szenen sollten durchgeprobt und dann aufgenommen werden. Der fertige Film sollte natürlich einem größeren Publikum vorgeführt werden.
Die Reportage ist eine Möglichkeit, ein aktuelles Thema zu bearbeiten. Dazu werden Originalbilder und Tonaufnahmen benutzt, die die Reporterin der der Reporter nach seinen Vorstellungen und Intentionen zusammenstellt und kommentiert.
Führungen / Erkundungen
Mit Hilfe von Videos können kleine Führungen durch die eigene Gemeinde oder Stadt (was ist historisch oder aktuell interessant und wichtig?) oder auch durch die eigene Schule, den Betrieb das Bildungshaus etc. angefertigt werden. Diese dienen dann sowohl der lokalen Erkundung als auch der Information der anderen Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer.
Collagen
Mit Hilfe des Videorecorders lassen sich vielfältige Bildsequenzen zu einer Collage verarbeiten. Das Gestaltungselement ist dabei das Aneinanderreihen oder Überblenden verschiedener Bilder oder kurzer Szenen zu einem bestimmten Thema. Die Collage kann stumm sein, mit Musik unterlegt werden, durch ein Gedicht kommentiert werden usw.
Die Erstellung einer Collage ist ein assoziatives Arbeiten. Collagen stellen keine so hohen Anforderungen an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie Reportagen oder Filme. Sie sind quasi ein spielerischer Zugang und Umgang mit der Videotechnik und dem Thema.
Als Ausgangsmaterial hierfür können auch Mitschnitte von Fernsehsendungen dienen.
Videoclips
Videoclips sind kurze, meist actionbetonte Selbstdarstellungen von Showstars. Solche Videoclips können als Sympathiewerbung im Rahmen von Seminaren für die vielfältigsten Anlässe produziert werden, z. B.:
- Für die verschiedenen Parteien (die dann z. B. mit der Fernsehwerbung dieser Parteien verglichen werden könnten).
Dokumentation
Video kann eine Hilfe für die Auswertung von Abläufen unterschiedlichster Art sein. Dadurch, daß die Aufnahmen sofort wieder zur Verfügung stehen, können Argumentations- und Verhaltensweisen anschaulich gemacht und besprochen werden. Der Videoeinsatz liefert dabei das Material. Die Auswertung und Analyse müssen die Seminarleitung und die Teilnnehmerinnen und Teilnehmer vornehmen.
Video kann wie ein elektronisches Notizbuch benutzt werden, z. B. zum
- Dokumentieren wichtiger Seminarteile;
- Festhalten und Auswerten von Gruppenarbeiten und -prozessen;
- Mitschneiden einer Diskussion;
- Vermittlung von Arbeitsergebnissen aus Untergruppen;
- Dokumentation und Auswertung von Rollenspielen usw.
Nachrichten produzieren
In der Schule oder im Rahmen eines Seminars stellt ein Nachrichtenteam, das täglich wechseln kann, jeden Tag die wichtigsten Ereignisse in Nachrichtenform dar. Damit kann z. B. ein Tages- oder Wochenrückblick eingeleitet werden.
Vgl. Manfred Becker u. a.: Video als Medium in der Jugendarbeit. Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, Arbeitshilfen zur kulturellen Jugendbildung 2. Remscheid o. J.
Literaturhinweis
Brenner, Gerd / Horst Niesyto (Hrsg.): Handlungsorientierte Medienarbeit. Video, Film, Ton, Foto. Praxishilfen für die Jugendarbeit. Weinheim/München 1993.
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Keywords: Unterrichtsmethoden, Unterrichtsmethode, Methoden, Lehr-Lern-Methoden
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Bearbeitung: Carsten Koch
Veröffentlichungsdatum: 20.07.2005
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