Erkundung

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© 2004 Dietmar von Reeken, Bielefeld; © 2004 sowi-online e. V., Bielefeld

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sowi-online-Methodenlexikon

Dietmar von Reeken

Inhalt

Kurzbeschreibung
1. Portrait Erkundung
2. Herkunft und Entwicklung
3. Typische Anwendungsfelder
4. Hinweise zur praktischen Umsetzung
5. Literatur

 

Kurzbeschreibung

Unterricht im Klassenzimmer findet - im Idealfall didaktisch gut strukturiert, methodisch abwechslungsreich und konzentriert - in einem eigenen pädagogischen Raum jenseits der gesellschaftlichen Realität statt. Hier setzen Erkundungen als Methode an: Sie bauen auf das Verlassen des Klassenzimmers und des Schulgebäudes mit didaktischer Absicht und zielen auf die Beschaffung von Informationen an außerschulischen Lernorten mit authentischem Charakter. Der Anspruch ist daher die Überwindung der Trennung von Lern- und Lebenssituation.

1. Portrait Erkundung

Erkundungen - auch "Lerngänge", "Lernen vor Ort" bzw. "an außerschulischen Lernorten" genannt - sind durch zwei Elemente gekennzeichnet: das Verlassen der Schule und Aufsuchen von (als solchen konzipierten oder durch den Unterricht erst entstandenen) Lernorten sowie die entdeckend-forschende Absicht, mit der dies geschieht; durch letztere unterscheidet sich die Erkundung deutlich von der bloßen "Besichtigung".

Der besondere Lernwert von Erkundungen liegt auf unterschiedlichen Ebenen:

Allerdings sind auch hier einige Gesichtspunkte zu beachten:

2. Herkunft und Entwicklung

Die Bedeutsamkeit unmittelbarer Anschauung für menschliche Lernprozesse wird bereits seit Jahrhunderten von Pädagogen hervorgehoben, wobei dies vor allem für Realienfächer galt. In Anknüpfung an Comenius, Rousseau und Pestalozzi betonten auch große Teile der Reformpädagogik den Stellenwert außerschulischen Lernens. In den Unterrichtsfächern setzte sich die Erkundung als Methode sehr unterschiedlich durch: Während sie im geographischen Unterricht schon lange bewährt ist, im Geschichtsunterricht weitgehend anerkannt (wenn auch wohl nicht häufig praktiziert) und in der ökonomische Bildung in Form der Betriebserkundung fest verankert ist, spielt sie in der politischen Bildung bislang nur eine untergeordnete Rolle (wobei allerdings empirische Untersuchungen hierzu fehlen) (vgl. Becker 1988, 102 f.). Neuere pädagogische und didaktische Entwicklungen, wie Forderungen nach vermehrter Handlungs-, Erfahrungs-, Produktions- und Projektorientierung, haben aber auch die Einbeziehung außerschulischer Lernorte in den Politikunterricht - zumindest theoretisch-konzeptionell - befördert.

3. Typische Anwendungsfelder

Prinzipiell sind alle Orte in erreichbarer Entfernung von der Schule, in denen sich politisch-gesellschaftliches Handeln widerspiegelt und die für die Kinder und Jugendlichen Möglichkeiten zu entdeckenden, forschendem Lernen bereit halten, als Ziele von Erkundungen geeignet. Erkundet werden können - mit einer jeweils themenspezifischen unterrichtlichen Einbindung - z. B. Arbeitsbedingungen in Betrieben, die Wohnbedingungen in einem Asylbewerberheim, die politische Kultur im Stadtrat, die Arbeits- und Produktionsbedingungen von Journalisten bei einer Zeitung oder in einer Rundfunkanstalt, die Freizeiteinrichtungen für Jugendliche, die Werbeinszenierungen in einem Kaufhaus, die Informationsstände von Parteien im Wahlkampf, die Manifestation gesellschaftlichen Geschichtsbewusstseins in einem Denkmal usw. (vgl. etwa für den Politikunterricht die Beispiele in Ackermann 1988, für den Geschichtsunterricht: Staatsinstitut 1999). Die Erkundung als Methode ist mittlerweile auch in den meisten Lehrplänen der Bundesländer verankert (vgl. etwa zur Politischen Bildung http://www.lehrplaene.org).

4. Hinweise zur praktischen Umsetzung

Von zentraler Bedeutung für das Gelingen einer Erkundung sind u.a. folgende Aspekte (vgl. hierzu auch Becker 1988, 119-121):

5. Literatur

Ackermann, Paul, Hg. (1988): Politisches Lernen vor Ort. Außerschulische Lernorte im Politikunterricht. Stuttgart.

Becker, Franz Josef E. (1988): Erkundung und Befragung als Methode der politischen Bildung. In: Erfahrungsorientierte Methoden der politischen Bildung, Bonn, 97-131.

Becker, Franz Josef E. (1991): Politisches Lernen durch Realbegegnung. Zur Methode von Erkundung und Befragung. In: Methoden in der politischen Bildung - Handlungsorientierung, Bonn, 174-212

Detjen, Joachim (1999): Erkundung/Sozialstudie/Praktikum. In: Mickel, Wolfgang W. Hg. 1999. Handbuch zur politischen Bildung, Bonn, 397-403.

Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München Hg. (1999): Geschichte vor Ort. Anregungen für den Unterricht an außerschulischen Lernorten. Handreichung für den Geschichtsunterricht an Gymnasien. Donauwörth.

Weißeno, Georg (2000): Erkundung. In: Kuhn, Hans-Werner; Massing, Peter, Hg. Methoden und Arbeitstechniken (= Lexikon der politischen Bildung, Bd. 3). Schwalbach/Ts.: Wochenschau, 37f.

 



Keywords: Lernsituation, Lebenssituation, Lerngang, Erkundung, Unterricht, Lernort, Besichtigung, forschendes Lernen, Methodenkompetenz, außerschulisches Lernen, Erfahrungsorientierung, Produktionsorientierung, Projektorientierung, Anwendungsfelder, politische Bildung, Methodenkompetenz

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 © 2004 sowi-online e.V., Bielefeld  Verantwortlich für diese Seite: Reinhold Hedtke  WWW-Präsentation: Norbert Jacke  Bearbeitung: Hans-Erich Webers  Veröffentlichungsdatum: 01.03.2004  URL des Dokuments: http://www.sowi-online.de/methoden/lexikon/von_reeken_erkundung.htm