Memorandum: Wirtschaft - notwendig für schulische Allgemeinbildung

sowi-online dankt dem DGB und der BDA für die freundliche Genehmigung zum "Nachdruck" dieses Textes im Internet.

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Impressum

Gemeinsame Initiative von Eltern, Lehrern, Wissenschaft, Arbeitgebern und Gewerkschaften. [Berlin, August 2000]

Inhalt:

Vorwort
Wirtschaft - notwendig für schulische Allgemeinbildung
Begründung und Vorschläge für die Einrichtung des Faches Wirtschaft in der Schule:

  1. Bildungstheoretische Begründung und Bildungsziele einer sozioökonomischen Bildung
  2. Notwendigkeit eines eigenständigen Unterrichtsfaches "Wirtschaft"
  3. Unterrichtsziele
  4. Inhaltsbereiche des Unterrichtsfaches "Wirtschaft"
  5. Unterrichtsmethoden
  6. Lehrerausbildung für das Unterrichtsfach "Wirtschaft"

Vorwort

Fragen des Wirtschafts- und Beschäftigungssystems berühren jeden Einzelnen in unserer Gesellschaft in vielfacher Weise. Gleichwohl wird der sozioökonomischen Bildung im Schulalltag nicht die Bedeutung beigemessen, die diesem Unterrichtsbereich im Kanon der Allgemeinbildung zukommen muss.

Auf Initiative von BDA und DGB wurde daher zusammen mit Elternverbänden, Lehrerverbänden und der Wissenschaft das vorliegende Grundsatzpapier "Wirtschaft - notwendig für schulische Allgemeinbildung" erarbeitet. Gemeinsam fordern Eltern, Lehrer, Wissenschaft, Arbeitgeber und Gewerkschaften die Einführung des Faches Wirtschaft in den allgemeinbildenden Schulen. Nun ist es Aufgabe der Politik, diesem Anliegen Rechnung zu tragen.

Die Initiative wird getragen vom Deutschen Elternverein, dem Verband Deutscher Realschullehrer, der Deutschen Gesellschaft für ökonomische Bildung, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Auch der Bundeselternrat hat in dieser Initiative mitgewirkt und unterstützt den gemeinsamen Ansatz, dass sozioökonomische Bildung in allen Schulformen der allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden muss. Zahlreiche Landesverbände dieser Organisation stimmen im einzelnen den Forderungen der gemeinsamen Initiative zu; ein einheitliches Votum zur Einführung des Unterrichtsfaches Wirtschaft wurde seitens der Bundesorganisation nicht erzielt.

Berlin, im August 2000

Dr. Reinhard Göhner
Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)

Ingrid Sehrbrock
Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)


Wirtschaft - notwendig für schulische Allgemeinbildung

Unverzichtbare Aufgabe der allgemeinbildenden Schule ist es, Schülerinnen und Schüler zu einer selbst- und mitverantwortlichen Teilhabe in einer sich ständig wandelnden Arbeits- und Wirtschaftswelt zu befähigen. Dies folgt aus dem Auftrag an die Schule, die Persönlichkeitsbildung der Jugendlichen zu fördern, als auch aus der zentralen Bedeutung des Wirtschafts- und Beschäftigungssystems für den Einzelnen und für die Gesellschaft als Ganzes.

Sozioökonomische Bildung ist damit ein wesentlicher Bestandteil der Allgemeinbildung. Ihre Ziele leiten sich aus den allgemeinen Bildungszielen ab und leisten ihren spezifischen Anteil, damit junge Menschen selbstständig und selbstbestimmt leben, für sich selbst und andere Verantwortung übernehmen und an der Entwicklung der gesellschaftlichen Belange reflektiert und konstruktiv mitarbeiten.

Sozioökonomische Bildung wird umso wichtiger, als die Arbeitsteilung und die damit verbundene Komplexität unseres Wirtschaftslebens ebenso zunehmen wie die Herausforderungen durch ein zusammenwachsendes Europa und die Globalisierung. Die materielle Basis der Gesellschaft - Arbeit und Erholung, Produktion und Konsum, Unternehmertum und Mitbestimmung - muss deshalb eine stärkere Rolle in den allgemeinbildenden Schulen spielen. Denn Wirtschaft ist von existentieller Bedeutung für den einzelnen Menschen wie für die Gesellschaft.

Damit Schülerinnen und Schüler sachgerecht und verantwortungsbewusst, selbstbestimmt und sozial handeln können, müssen sie sich im Unterricht verstärkt mit dem Wirtschafts- und Beschäftigungssystem auseinandersetzen. Sie müssen Kenntnisse und Einsichten erwerben sowie Beurteilungskompetenz und Reflexionsfähigkeit entwickeln über

Soziökonomische Bildung befähigt auch zur Reflexion über eigene Wertvorstellungen und Interessen, über die Rollen von Mann und Frau, über unterschiedliche Gesellschaftsbilder und zu einer rationalen Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Sachverhalten. Hierzu gehört auch, auf ein Leben vorzubereiten, in dem sich Phasen von Erwerbs- und Familienarbeit, Lernzeiten, selbständige und unselbständige Tätigkeiten mit Zeiten von Arbeitslosigkeit abwechseln können.

Eine zeitgemäße sozioökonomische Bildung ist interdisziplinär und praxisorientiert: Sie behandelt ökonomische, soziale, ethische, politische, rechtliche, ökologische und technische Zusammenhänge von Arbeit und Wirtschaft.

Sie bezieht Betriebe als Lernorte und Fachleute aus der Arbeitspraxis in den Unterricht ein und nutzt die modernen Informationsmedien.

Die umfassenden Ziele der soziökonomischen Bildung erfordern wegen des Umfangs und der Komplexität ihres Gegenstands ein eigenständiges Unterrichtsfach in allen Jahrgangsstufen ab Klasse 5, in welchem kontinuierlich und systematisch die notwendigen Fachkompetenzen erarbeitet und die Grundlagen für einen inhaltlich anspruchsvollen fächerübergreifenden Unterricht gelegt werden. Dies ist der Grundstein zur Entwicklung des Lernbereichs Sozioökonomie.

Ihre Realisierung setzt bei den Lehrenden differenzierte fachliche und didaktische Qualifikationen voraus, die nur in eigenständigen Studiengängen erworben werden können. Hierauf ist die Lehreraus- und -weiterbildung auszurichten.

Mit der Einführung eines eigenständigen Unterrichtsfachs Wirtschaft erfährt die Allgemeinbildung die Weiterentwicklung und Ergänzung, die der Bedeutung von Wirtschaft und Arbeitswelt für die Dynamik moderner Gesellschaften Rechnung trägt.

Die Träger dieser Initiative fordern die Kultusminister auf, diesen Vorschlag in ihren Ländern umzusetzen.

Begründung und Vorschläge für die Einrichtung des Faches Wirtschaft in der Schule


1. Bildungstheoretische Begründung und Bildungsziele einer sozioökonomischen Bildung

Der hohe Stellenwert der sozioökonomischen Bildung für die Allgemeinbildung ergibt sich aus der herausragenden Bedeutung des Wirtschafts- und Beschäftigungssystem für Strukturen und Entwicklungen der Gesellschaft und damit für die gesellschaftlichen Bedingungen des einzelnen, seine Persönlichkeit bzw. seine Individualität zu entwickeln:

Diese Bedeutung der Erwerbsarbeit für Lebensplanung, Lebensgestaltung, Selbstwertgefühl und Selbstverständnis des einzelnen und seine Integration in die Gesellschaft ist kennzeichnend für moderne demokratische Gesellschaften. Erwerbsarbeit soll für den einzelnen vielfältige, unterschiedlich bewertete Erwartungen erfüllen: Materielle Basis für eine selbstverantwortliche Lebensführung, interessante und verantwortungsvolle Tätigkeiten, Herausforderung und Weiterentwicklung der persönlichen Leistungsfähigkeit, materielle und soziale Anerkennung der beruflichen Leistung, beruflichen und sozialen Aufstieg, soziale Kontakte und vielfältige, auch über den unmittelbaren beruflichen Tätigkeitsbereich hinausgehende Anregungen, Einsichten und gesellschaftliche Anerkennung.

Neben der Erwerbsarbeit hat allerdings auch die indentitätsstiftende Funktion des Konsums zunehmend an Bedeutung gewonnen. In unserer pluralisierten und zugleich individualisierten Lebenswelt dient dieser immer häufiger als Ausdrucksmittel für individuelle Vorstellungen, Lebenshaltungen, Gruppenzugehörigkeit und soziale Position. Auch hier ergeben sich Anforderungen an die Jugendlichen, zu deren Bewältigung sie Hilfen durch ökonomische Bildung bedürfen (z.B. für den Umgang mit Geld und Kredit, zur Entwicklung eines verantwortungsbewussten Konsumstils u.a.).

Zwischen dem Streben nach persönlicher Entfaltung sowie den ökonomischen Handlungsprinzipien und Mechanismen des marktwirtschaftlichen Systems besteht allerdings ein vielfältiges, durchaus auch produktives Spannungsverhältnis:

Durch diese Entwicklungen, insbesondere auch durch die erhebliche Zunahme höherer Bildungsabschlüsse, den späteren Eintritt der Jugendlichen in die Erwerbsarbeit und die damit verbundenen vielfältigeren Erfahrungsmöglichkeiten beim Erwachsenwerden sind die Ansprüche an die Selbstverwirklichung in der Erwerbsarbeit zunehmend gestiegen. Um diese Leistungspotentiale für die Unternehmungen zu erschließen und die Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation der Mitarbeiter zu erhalten bzw. zu steigern, wird es auch unter Rentabilitätsaspekten für die Unternehmungen immer häufiger vorteilhaft, den Selbstverwirklichungsansprüchen ihrer Mitarbeiter entgegenzukommen.

Aufgrund der generellen Bedeutung der Erwerbsarbeit für die Persönlichkeitsentfaltung und die Integration des einzelnen in die Gesellschaft kommt der erfolgreichen Eingliederung der Jugendlichen in das Beschäftigungssystem eine Schlüsselrolle zu. Es gehört deshalb zu den zentralen Aufgaben der allgemeinbildenden Schulen, die Schülerinnen und Schüler auf diesen biographisch so eminent wichtigen neuen Lebensabschnitt angemessen vorzubereiten. Es ist ein Unterrichtsangebot bereitzustellen, das die Absolventen des allgemeinbildenden Schulsystems befähigt, im Rahmen ihrer persönlichen Voraussetzungen und unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Handlungsbedingungen Selbstverantwortung für ihren beruflichen Lebensweg zu übernehmen sowie informiert und verantwortungsbewusst an der Gestaltung dieser gesellschaftlichen Handlungsbedingungen mitzuwirken.

Hierzu müssen die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse und Einsichten erwerben sowie Beurteilungskompetenz und Reflexionsfähigkeit entwickeln über

Zugleich müssen sie befähigt werden

Diese Bildungsziele sind die leitenden Kriterien für die Auswahl von Unterrichtsinhalten und Unterrichtsmethoden. Die inhaltlichen Strukturen und aktuellen Forschungsschwerpunkte der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Bezugsdisziplinen des Unterrichts haben dahinter zurückzustehen.


2. Notwendigkeit eines eigenständigen Unterrichtsfaches "Wirtschaft"

Die interdisziplinäre Behandlung ökonomischer, sozialer, politischer, rechtlicher, ökologischer und technischer Zusammenhänge des Wirtschafts- und Beschäftigungssystems, die Analyse aktueller wirtschaftlicher und politischer Probleme, an denen exemplarisch allgemeine Einsichten vermittelt werden sollen, erfordert den Erwerb differenzierter theoretischer und empirischer Kenntnisse vor allem in den Wirtschafts- und in den Sozialwissenschaften. Diese sind systematisch und kumulativ, schulform- und schulstufengerecht im Unterricht zu erarbeiten. Hierfür ist ein eigenständiges Unterrichtsfach "Wirtschaft" in allen Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I und II einzurichten; in der gymnasialen Oberstufe sind Grund- und Leistungskurse vorzusehen.

Das häufig vorherrschende, nur punktuelle Aufgreifen wirtschaftlicher Themen in anderen Fächern unter deren fachspezifischen Fragestellungen, z.B. in Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde, erfüllt nicht den Anspruch auf einen systematischen und kumulativen Kenntnisgewinn über das Beschäftigungs- und Wirtschaftssystem und dessen Bedeutung für den einzelnen. Im Rahmen des fächerübergreifenden Unterrichts kommt aber auch diesen Fächern für die Vermittlung einer umfassenden sozioökonomischen Bildung eine wichtige Funktion zu. Das Fach "Wirtschaft" wiederum entlastet diese Fächer, indem es für sie relevante wirtschaftliche und wirtschaftshistorische Themen anbietet.

Die angemessene unterrichtliche Behandlung des Wirtschafts- und Beschäftigungssystems setzt bei den Lehrenden Fachkompetenzen voraus, deren Umfang und Niveau einen eigenständigen Studiengang dafür erfordert. Die Vorstellung, die notwendigen Fachkenntnisse könnten auch im Rahmen oder neben den Fachstudien von z.B. Erdkunde, Geschichte, politischer Bildung und Sozialkunde erworben werden, ist illusionär. Unzureichende Fachkompetenz aber begünstigt unangemessene Analysen wirtschaftlicher Sachverhalten und öffnet Vorurteilen sowie Ideologisierungen Tür und Tor.

Mit der Einführung des Unterrichtsfaches "Wirtschaft" werden bereits bestehende Ansätze für eine sozioökonomische Bildung im Sachkundeunterricht der Grundschule, der Arbeitslehre und der Gesellschaftslehre bzw. der politischen Bildung aufgegriffen und zu einem fachlich qualifizierten, den komplexen und differenzierten Sachzusammenhängen hinreichend gerecht werdenden Fachunterricht weitergeführt.


3. Unterrichtsziele

Durch den Unterricht in "Wirtschaft" und den fächerübergreifenden Unterricht sollen Schülerinnen und Schüler Kompetenzen erwerben, auf denen aufbauend sie ihre Lebenssituationen als Wirtschaftsbürger verantwortlich mitbestimmen und ihre Entscheidungen für die berufliche Ausbildung und den weiteren Lebensweg sachkundig treffen können.

Zur Entwicklung dieser Handlungsfähigkeit müssen sie sich fachspezifische Sach-, Methoden- und Sozialkompetenzen aneignen:


4. Inhaltsbereiche des Unterrichtsfaches "Wirtschaft"

Die Auswahl und Strukturierung der Inhaltsbereiche geht vom Individuum, dessen beruflichen Lebensentwürfen, Wertvorstellungen, Interessen, Einstellungen und Erwartungen an die Arbeits- und Wirtschaftswelt aus. Aus dieser Perspektive sind die für die Individuen besonders relevanten Funktionszusammenhänge und Entwicklungen in der Erwerbsarbeit, im Betrieb, im Wirtschafts- und Beschäftigungssystem und in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen als Inhaltsbereiche des Faches "Wirtschaft" zu bestimmen.

Die im Folgenden aufgeführten einzelnen Inhaltsbereiche sind weder als Unterrichtsthemen bzw. -einheiten zu verstehen, noch mit einer zeitlichen Abfolge ihrer unterrichtlichen Behandlung gleichzusetzen. Im Unterricht werden vielmehr komplexe Sachzusammenhänge bzw. Handlungsprobleme thematisiert, die i. d. R. nur unter Einbeziehung aller nachfolgend genannten Inhaltsebenen angemessen behandelt werden können. So ist z.B. der Wandel von Berufsinhalten und -anforderungen nicht ohne gleichzeitige Bezugnahme auf betriebliche, gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen zu verstehen.

Folgende vier Inhaltsbereiche sind zu behandeln.

Diese Inhaltsbereiche sind gemäß den Zielen des Unterrichtsfaches in den Lehrplänen der Bundesländer schulartspezifisch und altersangemessen in Unterrichtsthemen bzw. -einheiten zu überführen.


5. Unterrichtsmethoden

Zur Vermittlung der sozioökonomischen Bildung im Fach "Wirtschaft" kommt bestimmten Unterrichtsmethoden eine fachspezifisch herausgehobene Bedeutung zu.

Methoden des entdeckenden und forschenden Lernens fördern die Selbständigkeit in der Analyse wirtschaftlicher Zusammenhänge. Praxisbegegnungen stellen den Unterricht auf eine realitätsentsprechende Basis, vermitteln individuell relevante Erfahrungen in der Arbeits- und Wirtschaftswelt, unterstützen frühzeitig die Klärung der Berufswegchancen und stärken die Lernmotivation.

Für das situative Lernen haben einzelne Unterrichtsmethoden eine besondere fachspezifische Funktion:

Fallstudien, Projekte, Planspiele, Simulationen und Übungsfirmen ("Schülerunternehmen") tragen dem interdisziplinären Charakter der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Sachverhalte, ihrer Komplexität, ihrer Wert- und Interessenbezogenheit angemessen Rechnung. Auch fördern die selbständiges Lernen und die Selbständigkeit in der Auseinandersetzung mit ökonomischen Sachverhalten. Betriebspraktika, Betriebserkundungen, Interviews und Diskussionen mit Fachleuten aus der Arbeits- und Wirtschaftswelt stellen unmittelbare Begegnungen mit der Arbeits- und Wirtschaftspraxis her. Sie zielen i.d.R. auf eine Überprüfung, Erweiterung und Differenzierung bisherigen Wissens und theoretischer Erklärungen am Einzelfall. Teilweise ermöglichen sie auch die Überprüfung individueller Vorstellungen über die Arbeits- und Berufspraxis und fördern dadurch die Konkretisierung von Berufsplänen.

Die mit diesen Methoden verbundene Anschaulichkeit und Konkretheit des Unterrichts regt zu weiteren Auseinandersetzungen mit der Arbeits- und Wirtschaftswelt an und fördert die Lernmotivation.

In besonderer Weise können die vielfachen Effekte des Praxisbezuges in einer unmittelbaren Kooperation von Schulen und Unternehmen sowie anderen Organisationen in der Arbeitswelt zum Tragen kommen. Diese gilt es zu fördern und auszubauen.


6. Lehrerausbildung für das Unterrichtsfach "Wirtschaft"

Die fachwissenschaftliche Ausbildung zur Lehrbefähigung für das Fach "Wirtschaft" ist - wie das Unterrichtsfach selbst - interdisziplinär angelegt. Ihre wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Inhalte sind lehramtsbezogen. Das heißt, Fragestellungen und Auswahl der Studieninhalte werden von den Bildungszielen der sozioökonomischen Bildung bestimmt. Fachdidaktischen Studienanteilen kommt daher eine Schlüsselrolle zu; sie sind unverzichtbarer Teil auch in gymnasialen Studiengängen.

Zu den notwendigen Qualifikationen der Unterrichtenden gehört ein Mindestmaß an eigener, didaktisch geleiteter Praxiserfahrung in der außerschulischen Arbeits- und Wirtschaftswelt. Deshalb muss, wie das Unterrichtsfach auch, das Studienfach durch eine starke Praxisorientierung charakterisiert sein. Dazu gehören Betriebspraktika, Betriebserkundungen und Exkursionen unter interdisziplinären Fragestellungen, Interviews und Diskussionen mit Experten aus dem Beschäftigungs- und Wirtschaftssystem und Kooperationen mit ihnen im Rahmen des Studienangebotes.

Die spezifischen Fragestellungen und die inhaltliche Struktur dieses Studiums erfordern es, dass sowohl das fachwissenschaftliche als auch das fachdidaktische Studium von hierfür speziell qualifizierten Hochschullehrern angeboten wird. Einfache Studieninhalte aus dem Angebot für Wirtschafts-, Sozial- und Erziehungswissenschaften zu übernehmen, führt nicht zu der gebotenen Professionalität. Gemeinsame Studienanteile in Einzelfällen sind damit nicht ausgeschlossen.

Bereits bestehende Studiengänge, wie z.B. für Wirtschaftslehre und Arbeitslehre, die für Teilbereiche der sozioökonomischen Bildung qualifizieren, sind zielgerichtet auf das neue Unterrichtsfach hin weiterzuentwickeln.

Besonders in der Anfangsphase der Einführung des Unterrichtsfaches "Wirtschaft" wird ein erheblicher Fort- und Weiterbildungsbedarf für Lehrerinnen und Lehrer bestehen. Hierfür sind entsprechende Studienangebote an den Hochschulen zu entwickeln; dabei sollen Fernstudiengänge und neue kommunikationstechnische Möglichkeiten für ein selbstgesteuertes Lernen genutzt werden. Ergänzend zu den von staatlichen Stellen organisierten Kursen bieten Unternehmensverbände und Gewerkschaften Betriebserkundungen und andere Veranstaltungen zur Fort- und Weiterbildung an, die stärker noch als bisher genutzt werden sollten.


Keywords: Schulfach Wirtschaft, ökonomische Bildung, sozioökonomische Bildung, Unterrichtsziele, Allgemeinbildung, Inhaltsbereiche, Lehrerbildung, Unterrichtsmethoden, Sekundarstufe II, Lernbereich Sozioökonomie, Sekundarstufe I, Sachkompetenz, Bildungsziele, Wirtschaftsbürger, Sozialkompetenz, Methodenkompetenz, Erwerbsarbeit, Persönlichkeitsentfaltung, Interdisziplinarität, Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften

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